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Camping zwischen Fremde und Heimat

Ein Wohnmobil kann Grenzen sprengen – zumindest die durch die Deckenhöhe einer Garage gesetzten. Aus unserem Wohnungsfenster lässt uns der Nachbar gegenüber an seiner Campingsehnsucht teilnehmen. Sobald das Wetter es zulässt, schraubt und staubsaugt er, befestigt Surfbretter, Fahrräder und alles, was man so zu einem Leben in der großen weiten Welt braucht. Und doch ist es nur „imitatio patriae“: Nachahmung der Heimat: Anderswo soll es genauso schmecken wie Zuhause oder: Mein Butterbrot wandert aus. Ein Kindheitstrauma: ein VW-Käfer, unter dessen Vorderhaube meine Mutter Kaffeemaschine und Schnellkochtopf verstaut, damit wir uns an der Ostsee nicht so fremd fühlen. Wie heißt es im Spanien-Lied der Black Föös: „Nä, nä, Marie, es dat he schön / Üvverlall nur kölsche Tön! / Nä, he süht et wirklich us / Wie bei uns zohus; / He fählt nur vum Balkon / Die Aussicht op d´r Dom!“

Das Spannungsverhältnis zwischen Fremde und Heimat lebt sich beim Campen auf seine Art aus: Ich will weg sein, aber doch nicht so ganz. Ich brauche die Rückversicherung meiner eigenen Requisiten. O.k, zugegeben: Ein vollgepackter Koffer mit dem von mir heiß geliebten Reisebügeleisen ist nichts anderes. Und doch gebe ich lieber dem Hotelportier meinen Schlüssel als durch den morgendlich hochgezogenen Schlagbaum das nächste Campingziel anzusteuern.

Beitrag von Manfred Hartmann, Unna

Publikationsdatum: 07.05.2012

Themen: Erinnerungen, Fahrzeuge